Kapitel 1 - Der Brand von Plantakholia

Es war ein friedlicher Morgen im Jahr -950, tief im Zeitalter des Exordiums. Die Sonne ging über den grünen Hügeln im Osten der Hippoinsel auf und tauchte das idyllische Dorf Plantakholia in goldenes Licht.

Im Hause Wuffgyatter duftete es bereits herrlich nach frisch gebackenem Brot und gebratenen Flussalgen. Rufos’ Mutter stand am Herd, während sein kleiner Bruder aufgeregt um den Holzstumpftisch hüpfte.

„Rufos, mein Schatz! Bringst du uns noch schnell zwei Eimer frisches Wasser vom Brunnen? Dann können wir endlich frühstücken“, rief seine Mutter liebevoll und strich ihm sanft über den Kopf.

„Schaffst du überhaupt zwei volle Eimer, du Knirps? Oder muss der große Papa wieder mit anpacken?“, neckte ihn sein Vater schmunzelnd, während er das Holzschwert für den Kleinsten fertig schnitzte.

Rufos grinste stolz, hob die Brust und packte die beiden Holzeimer. „Pah, Vater! Ich bin fast erwachsen. Ich hole das beste Wasser aus der Tiefe des Marktplatzes, bevor du überhaupt deine Algen aufgegessen hast!“

„Das will ich sehen! Beeil dich, ich verhungere sonst!“, rief sein kleiner Bruder lachend und warf ein kleines Holzklötzchen nach ihm.

Mit einem warmen Lächeln und den aufmunternden Stimmen seiner Familie im Ohr trat Rufos aus der Tür. Die Straßen von Plantakholia erwachten gerade zum Leben. Hippos dösten entspannt am Flussufer, Sigmas gingen ihren täglichen Routinen nach und seltsame Fabelkreaturen streiften friedlich durch die Gassen.

Pfeifend schlenderte Rufos zum Dorfbrunnen mitten auf dem Marktplatz und ließ den Eimer an der Kette in die kühle Tiefe hinab. Doch noch bevor der Eimer die Wasseroberfläche berührte, begann der Boden unter seinen Hufen heftig zu beben.

Ein tiefes, bedrohliches Grollen drang aus dem Schacht. Rufos hielt erschrocken inne. Plötzlich schossen dicke, giftgrüne Lianen wie peitschenartige Fangarme tief aus dem Brunnen hervor! Sie kletterten in unnatürlichem Tempo das Steinwerk hoch und wucherten gierig über die Pflastersteine.

„Was beim Exordium…?!“, entfuhr es Rufos.

Panik stieg in ihm auf. Er ließ die Eimer fallen und rannte um sein Leben. Kaum hatte er ein paar Meter Abstand gewonnen, explodierte der Brunnen in einer gewaltigen Säule aus grellem Feuer. Die Hitze war so brutal, dass der jahrhundertealte Stein auf der Stelle zu Asche verbrannte.

Aus dem schmelzenden Schlot erhob sich ein wahrer Albtraum: Ignidrül.

Riesengroß – locker 20 Meter hoch – ragte das grüne Krakenmonster über die Dächer von Plantakholia. Mit seinen drei wuchtigen grünen Beinen stampfte es auf den Marktplatz, während sein langer Tentakelschwanz die ersten Häuser einfach zermalmte. Aus seinem riesigen Schlund spie es unaufhörlich feurige Glut, die sich wie ein Teppich über das ganze Dorf legte.

Schreie hallten durch die Luft. Rufos stolperte hinter eine Mauseite und sah voller Entsetzen zu seinem Elternhaus zurück.

„Mama! Papa!“, schrie er gegen den Lärm der Flammen an.

Doch das Feuer hatte das Gebäude bereits komplett eingeschlossen. Das Lachen seines kleinen Bruders war verstummt. Innerhalb weniger Augenblicke stürzte das hölzerne Dach brennend ein. Seine gesamte Familie hatte keine Chance zu entkommen.

Das Dorf Plantakholia war binnen Minuten in Schutt und Asche gelegt worden. Rufos kauerte im Staub, den Blick starr und geschockt auf die rauchenden Überreste seines Zuhauses gerichtet. Die Eimer, die er vor wenigen Minuten noch stolz getragen hatte, lagen geschmolzen im Dreck. Tränen brannten in seinen Augen, während die vollkommene Verzweiflung ihn überrollte.

Ein dröhnendes Brüllen riss die Stille der Trümmer auf. Rufos blickte mit leeren Augen auf: Ignidrül hatte das zerstörte Dorf hinter sich gelassen und stapfte nun mit schweren, feurigen Schritten weiter in Richtung der weitläufigen Felder im Westen. Das Monster war noch lange nicht satt…

Kapitel 2: Der Schatten des Moggers und die Götterversammlung

Der Boden der geheimen Arena im Resonanzwald bebte unter den wuchtigen Schritten des Hippo Moggers. Seine Muskeln schimmerten wie polierter Granit, und sein Kiefer war so perfekt gemeißelt, dass er allein mit seinen Blicken Aura absaugte. Der Mogger schnaubte bedrohlich und setzte zum finalen Rammstoß an.

Goonaldi, gehüllt in seinen braunen Spionage-Mantel als Mister Brown, schwebte unbeeindruckt zwei Meter über dem Boden. Sein gelbes Hippofell glänzte im Zwielicht.

„Du hast viel Aura, Champ“, sagte Goonaldi ruhig und zupfte an seinem Revers. „Aber Aura ohne Frequenz ist nur heiße Luft.“

Der Hippo Mogger brüllte auf und preschte los. Die schiere Wucht seines Ansturms riss den Boden auf. Goonaldi wich im letzten Bruchteil einer Sekunde seitlich aus, doch der Mogger war blitzschnell und fegte mit seinem gewaltigen Schwanz nach ihm. Goonaldi spürte die Schockwelle. Anstatt frontal dagegenzuhalten – was gegen die pure Körperkraft des Moggers sinnlos gewesen wäre – nutzte Goonaldi seine magische Kreativität.

Klick.

Goonaldi erschaffte mit seiner Magie eine glasklare, spiegelglatte Eisbahn direkt unter den Hufen des heranstürmenden Moggers. Gleichzeitig zauberte er eine riesige, vibrierende Stimmgabel genau hinter dessen Kopf. Der Mogger verlor auf dem Eis völlig den Halt, geriet ins Trudeln und knallte exakt mit seinen Hufen gegen die Stimmgabel. Die Resonanz seiner eigenen Wucht warf ihn aus dem Gleichgewicht – und Goonaldi nutzte die Sekunde der Verwirrung: Mit einem fokussierten Impuls aus seinem Gyat erzeugte er einen leisen, aber hochfrequenten Mini-Plotsch-Ton.

Die Schallwelle traf das Innenohr des Moggers. Dessen Beine gaben nach, und der Koloss ging mit einem dröhnenden Scheppern k.o.

Goonaldi landete sanft, strich sich über den Mantel und nickte. „Aura gesichert.“


Wenig später machte sich Goonaldi auf den Weg zur Hauptglaube der Insel: Dem gewaltigen Hipponiumtempel mitten in Hippopotamos Stadt. Der Tempel ragte mit seinen marmornen Säulen bis in die Wolken.

In der großen Halle trat Goonaldi vor die Runde der Sigmas – die Versammlung der Originalen Götter. Sie alle waren anwesend: Andante Hippo, Mewzart, Memorio Hippo, Arichnope Hippo, Audite Hippo Polaris und Patsch-Ai-Sigma. Die Stimmung im Raum war eisig.

Ein erschöpfter Bote hatte die Schreckensnachricht gebracht: Plantakholia war vernichtet.

Memorio Hippo, der Hüter der alten Geschichtsbücher, runzelte die Stirn. Seine Augen weiteten sich vor Erstaunen. „Ignidrül…?“, flüsterte Memorio und blätterte hastig in einer uralten Pergamentrolle. „Das ist unmöglich. Ein feuersicheres, dreibeiniges Krakenmonster mit einem Patscharm… Die letzte Sichtung dieser Monsterart liegt exakt 50 Jahre zurück! Damals glaubten wir, sie wären tief unter dem Ozean für immer versiegelt worden.“

Goonaldi zog die Stirn kraus. „Ein Schutzzauber muss gebrochen sein. Wir dürfen keine Zeit verlieren.“


Nach dem Treffen schlenderten Goonaldi, Mewzart und Andante Hippo hinüber zum großen Trainingshof des Tempels. Von der Empore aus blickten sie hinab auf den Exordium-Platz.

Dort unten stand Exordium Hippo allein in der Mitte der Arena. Er meditierte mit geschlossenen Augen. Doch die Luft um ihn herum vibrierte so stark, dass die Steine leicht schwebten. Eine goldene, akustische Aura umhüllte seinen Körper. Wenn Exordium atmete, schien die Zeit selbst im Takt zu schlagen.

„Schaut ihn euch an“, meinte Andante leise und schüttelte ehrfürchtig den Kopf. „Er trainiert wieder seine Klangwellen. Sein singendes Gyat besitzt den höchsten Wert im gesamten Zeitalter des Exordiums. Potenzial für die ultimative Zerstörung – oder die ultimative Rettung.“

„Exordium ist der Einzige, der das Gyat bis zur Perfektion resonieren lassen kann“, nickte Mewzart, während er im Takt mit den Hufen klopfte. „Du, ich und Andante sind zwar göttliche Meister, aber was Exordium dort macht, überschreitet die normalen Gesetze der Magie.“

Goonaldi sah schweigend zu, wie Exordium mit einem einzigen leisen Summen eine Schockwelle erzeugte, die ein Trainingsziel aus massivem Granit in feinen Staub verwandelte.

„Ignidrül mag feuersicher sein und Plantakholia verwüstet haben“, sagte Goonaldi schließlich und seine Augen verengten sich entschlossen. „Aber gegen die Macht von wahrer Resonanz wird auch dieses Monster fallen. Andante, wir müssen unsere Kräftekombination vorbereiten.“